Quartiere der Zukunft: vernetzt, energieautark und lebenswert

Die Zukunft des Wohnens stand im Mittelpunkt des 8. Symposiums der DORNIEDEN Gruppe. Die alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung hat sich als Branchentreff etabliert. Prof. Dr. Guido Spars von der Bergischen Universität Wuppertal und von Prof. Timo Leukefeld, unter anderem Energiebotschafter der Bundesregierung, referierten vor mehr als 300 Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung über Quartiersentwicklung und energieautarke Häuser, die sogar eine „intelligente Verschwendung“ erlauben.

Das Symposium begann mit „analogen“ Herausforderungen: Der Fachkräftemangel und die steigenden Baukosten machen sich immer mehr bemerkbar, Projektentwickler geraten zunehmend unter Druck. Die Digitalisierung kann aber helfen, weil sie mit digitalen Planungen deutliche Effizienzsteigerungen ermöglicht und dadurch Kosteneinsparungen resultieren. DORNIEDEN-Geschäftsführer Peter Veiks stellte in diesem Zusammenhang die digitalen Aktivitäten der Unternehmensgruppe vor. Die digitale Planung von Neubauprojekten wird mit einem „digitalen Zwilling“ forciert, der das dynamische Verhalten eines realen Gebäudes durch Simulationswerkzeuge analysiert und so die Grundlagen für sachkundige Entscheidungen schafft. „Der digitale Zwilling ermöglicht bei der Planung Nachjustierungen und optimiert unsere Planung erheblich“, so Veiks.

Was macht Stadtquartiere lebenswert?

Welche sozialen Strukturen im Quartier schaffen ein urbanes Umfeld und welche Rolle spielen innovative Ansätze des Wohnens bei einer zukünftigen Quartiersentwicklung? Was macht Stadtquartiere lebenswert? Quartiere schaffen im Zeitalter der Globalisierung eine Vertrautheit, vermitteln Identität. „Das Quartier sorgt für Überschaubarkeit mit Wohnen, Partizipieren, Arbeiten, Profitieren, Planen und Einkaufen“, betonte Prof. Dr. Guido Spars in seinem Vortrag. Für den Referenten bieten Sharing-Ansätze zahlreiche Ansatzpunkte für eine nachhaltige Quartiersentwicklung.

Im Bereich der Mobilität fördern Car-Sharing-Angebote und (Lasten)-Fahrräder den Quartiersgedanken. Gemeinschaftlich genutzte PV-Anlagen könnten den Strom ins hauseigene Netz einspeisen. Eine gemeinsame Nutzung von Freiflächen, beispielsweise als Grillplätze oder Gewächshäuser, ermöglichen Freizeitaktivitäten. Leerstehende Wohnungen könnten als Gäste- oder Trennungswohnungen umgenutzt werden. Wenig ausgeprägt seien derzeit noch Sharing-Angebote im Bereich der „Ernährung“ und „Wissen“. „Ein gemeinsamer Kühlschrank, um Lebensmittel zu tauschen oder ein gemeinsamer Bücherschrank wären denkbar.“ Grundsätzlich fordert Spars die Wohnungsunternehmen dazu auf, das „Sharing“ stärker zu fokussieren. „Die Erwartungen erfüllen sich meist. Aus Sicht der Unternehmen hat das zu einem verbesserten Image, zur Stärkung von Hausgemeinschaften und zur Kostenreduzierung geführt.“

Energieautarke Häuser für eine „intelligente Verschwendung“

Für Prof. Dipl.Ing. Timo Leukefeld sorgen die technologischen Umwälzungen für einen epochalen Wandel. Viele Produkte und Dienstleistungen würden immer weniger kosten, der Strom aus erneuerbaren Energien werde in absehbarer Zeit nur noch ein Cent pro Kilowattstunde kosten. Leukefeld nutzt den von Jeremy Rifkin geprägten Begriff der „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“. Energieautarke Gebäude versorgen sich dank Solarenergie weitestgehend selbst mit Wärme und Strom. Mit dieser Unabhängigkeit eröffnen sich neue Möglichkeiten für Nutzer. „Sie können so viel heizen oder Licht brennen lassen wie sie wollen – es belastet weder den Geldbeutel noch die Umwelt“, erklärt Leukefeld und spricht von einer „intelligenten Verschwendung.“ Die selbsterzeugte Energie – beispielsweise durch Photovoltaik oder Solarthermie – reiche sogar für den Anschluss einen E-Autos. Energieautarke Häuser seien aber nicht nur für Nutzer interessant, sondern auch für Energieversorger: „Stromanbieter müssen bisher Überschüsse im Netz teuer ausgleichen. Durch die Nutzung eines dezentralen Speichers werden Energieüberschüsse eingelagert“, erklärt der Referent. Das ermögliche eine konstante und wirtschaftliche Auslastung.

Neue Geschäftsmodelle wie „Flatrate-Wohnen“ seien denkbar: Ein Vermieter kann dank kaum vorhandener Energiekosten eine Pauschalmiete aufrufen – möglich auch mit langfristiger Festschreibung auf mehrere Jahre. Der Mieter kann langfristig mit einer stabilen Miete planen, der Vermieter mit gleichbleibenden Einnahmen und einer langen Mieterbindung. „Die Vorträge haben uns einen guten Überblick gegeben, wie sich das Wohnen zukünftig verändern wird und womit wir als Projektentwickler rechnen müssen“, fasst DORNIEDEN-Geschäftsführer Martin Dornieden die Erkenntnisse des Symposiums zusammen.
 

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